Du freust dich auf dein eigenes Business

Du sitzt vor deinem Kalender und stellst dir vor, wie deine Woche aussehen könnte. Vormittags konzentriert an einem Kundenprojekt arbeiten, nachmittags ein Gespräch über eine neue Zusammenarbeit und am Freitag früher Schluss machen, weil du übers Wochenende wegfahren möchtest. Du hättest viel zu tun, aber es wäre deine Arbeit, nach deinen Vorstellungen.

Dann fängst du an zu rechnen. Wie viele Aufträge brauchst du, damit du davon leben kannst? Du planst die Arbeit für deine Kunden und überlegst, wie viele Aufträge du in einer Woche schaffen könntest. Angebote schreiben, neue Kunden gewinnen und Buchhaltung machen musst du natürlich auch. Dein erster Gedanke ist, dass das zwischendurch gehen wird. Oder eben abends.

Da ist sie plötzlich, die Sorge. Du hast noch keinen einzigen Auftrag angenommen und verplanst gedanklich schon die Abende, auf die du dich eigentlich gefreut hattest.

Das ist ein guter Moment, nochmal auf dein Angebot zu schauen. Deine freien Abende sollen schließlich auch dann bleiben, wenn die ersten Aufträge kommen.

Kurz gesagt

Du musst als Selbstständige nicht zwangsläufig ständig arbeiten. Mit diesem Mythos möchte ich hier aufräumen! Dein Angebot, deine Preise und die Absprachen mit deinen Kunden bestimmen mit, wie viel Zeit dein Business einnimmt.

Wenn du nur die direkte Kundenarbeit einplanst und Buchhaltung, Kundengewinnung und Organisation abends oder am Wochenende erledigen willst, wird deine Freizeit schon vor der Gründung zur festen Arbeitszeit.

Du musst nicht genauso viel oder wenig arbeiten wollen wie andere. Entscheidend ist, dass du mit deiner geplanten Woche gut leben kannst, auch finanziell.

Deine Woche als SelbstständigeDie Arbeit für deine Kunden ist nur ein Teil deines Businessalltags.
Für deine KundenDeine Leistung

Projekte, Beratung oder laufende Betreuung, einschließlich Vor- und Nachbereitung sowie Kommunikation.

Für neue AufträgeMarketing und Angebote

Interessenten kennenlernen, Leistungen anbieten und sichtbar werden.

Für den laufenden BetriebRechnungen und Planung

Buchhaltung erledigen, Abläufe organisieren und den Überblick behalten.

Für deine nächsten IdeenLernen und Selbstentwicklung

Dein Angebot verbessern und Neues ausprobieren.

Auch die Arbeit, die du keinem Kunden einzeln berechnest, braucht einen Platz in deiner Arbeitswoche.

Was fehlt in deiner ersten Rechnung?

Wie viele Stunden möchtest du arbeiten? Davon gehen auch Angebote, Buchhaltung und die Suche nach neuen Kunden ab. Für deine Kundenprojekte bleibt also ein Teil dieser Zeit. Jetzt wird interessant, ob du damit genug verdienst, um gut davon zu leben.

Wenn diese Rechnung nur mit regelmäßiger Abendarbeit aufgeht, würde ich zuerst das Angebot prüfen. Vielleicht ist für den geplanten Preis zu viel individuelle Betreuung vorgesehen. Brauchen deine Kunden diese Begleitung wirklich, oder hilft ihnen eine klar begrenzte Leistung genauso gut? Ob Umfang und Preis für sie passen, klärst du im Gespräch mit möglichen Kunden. Mit den ersten Aufträgen prüfst du dann, wie viel Zeit die Arbeit tatsächlich braucht. Wenn du jedes Mal länger daran sitzt als geplant, gehört das in die nächste Kalkulation und nicht automatisch in deinen Feierabend.

Was versprichst du, weil du gerade erst anfängst?

Stell dir vor, ein Interessent möchte mit dir zusammenarbeiten und fragt, ob er dir zwischendurch schreiben kann. Du freust dich über die Anfrage und antwortest „Klar, jederzeit“. Du möchtest, dass er sich gut aufgehoben fühlt, und kannst dir gerade kaum vorstellen, dass ein paar Nachrichten zum Problem werden.

Vielleicht passt dieser enge Austausch tatsächlich zu deinem Angebot. Dann gehören die Zeit dafür und klare Absprachen mit dazu. Vielleicht sagst du aber auch so großzügig zu, weil du denkst, dass du am Anfang froh über jeden Kunden sein musst. Eine feste Antwortzeit fühlt sich dann schnell an, als würdest du schon Ansprüche stellen, bevor dein Business überhaupt läuft.

Wenn du am Anfang „jederzeit“ versprichst, gehört das für deine Kunden irgendwann ganz selbstverständlich zur Zusammenarbeit. Deshalb würde ich schon beim ersten Auftrag sagen, wann ich erreichbar bin. Du kannst richtig gute Arbeit leisten und abends trotzdem mit einer Freundin essen gehen.

Passt dein Angebot auch noch, wenn es gut läuft?

Vor der Gründung beschäftigt dich wahrscheinlich vor allem, ob überhaupt jemand bucht. Verständlich. Es ist aufregend, mit einer eigenen Idee nach draußen zu gehen und herauszufinden, ob Menschen dafür bezahlen möchten. Genauso interessant ist aber, wie deine Woche aussieht, wenn sie es tatsächlich tun.

Du arbeitest gern eng mit einzelnen Kunden? Dann rechne auch die Vorbereitung und die Rückfragen zwischen euren Gesprächen mit ein. Mit jedem weiteren Kunden kommt dieses ganze Paket dazu. Die Frage ist also, wie viele du begleiten möchtest und ob Preis und Aufwand dazu passen.

Für mich gehört zu einer guten Geschäftsidee auch, dass du gern in dem Business arbeitest, das daraus entsteht. Die Freude über neue Aufträge soll schließlich auch dann bleiben, wenn aus dem ersten Kunden richtig viele werden.

Dein Feierabend ist keine kostenlose Verlängerung deiner Arbeitswoche. Auch dann nicht, wenn du jetzt deine eigene Chefin bist.

Muss die Gründungsphase trotzdem anstrengend sein?

Ein eigenes Business aufzubauen ist Arbeit. Da bin ich ganz ehrlich mit dir, nachdem ich jetzt schon das zweite Mal gegründet habe. Du lernst Dinge, die vorher nicht deine Aufgabe waren, probierst aus und wirst manches überarbeiten. Vielleicht arbeitest du eine Zeit lang neben deiner Festanstellung daran. Dann ist der Abend zunächst tatsächlich die Zeit, die dir für deine Idee zur Verfügung steht.

Es macht aber einen Unterschied, ob du gerade dein erstes Angebot ausarbeitest oder ob jeder spätere Auftrag dauerhaft nur mit zusätzlicher Abendarbeit zu schaffen ist. Das eine ist eine Ausnahmesituation während der Gründung. Das andere gehört zur Art, wie dein Angebot dauerhaft funktioniert, und wiederholt sich mit jeder Buchung.

Nicht alles davon kannst du frei bestimmen. Deine finanzielle Ausgangslage, die Nachfrage und bestehende Verpflichtungen setzen Grenzen. Eine Vorstellung davon, wie du arbeiten möchtest, bringt dir allein noch keine Kunden und kein Einkommen. Sie hilft dir aber zu erkennen, an welchen Stellen dein Angebot noch nicht dazu passt, wie du mit deinem Business arbeiten und leben möchtest.

Es darf außerdem Abende geben, an denen du begeistert an einer Idee weiterarbeitest. Freude an der eigenen Arbeit ist etwas richtig Schönes. Du musst den Laptop nicht widerwillig zuklappen, nur um zu beweisen, dass du frei bist. Du sollst nur auch dann Feierabend machen können, wenn ein Essen mit deinen Lieblingsmenschen heute wichtiger ist als dein Businessplan.

Was möchtest du dir mit deinem Business ermöglichen?

Dein Angebot soll dir gutes Geld bringen und Zeit für die Dinge lassen, die du gern machst. Beides gehört von Anfang an in deine Planung.

Eine Frage für deinen Start

Wofür und wann möchtest du regelmäßig Zeit haben, auch wenn dein Angebot gut gebucht ist?

Vielleicht willst du freitags früher ins Wochenende starten, morgens ohne Eile Sport machen oder abends wirklich bei deiner Familie sein. Wenn du freitags früher Schluss machen möchtest, sollte dein Angebot auch in die übrige Arbeitswoche passen.

Du musst heute noch nicht wissen, wie deine Selbstständigkeit in fünf Jahren aussieht. Du kannst aber schon jetzt ernst nehmen, wofür du sie aufbauen möchtest. Genau darum geht es auch bei Selbstständigkeit und selbstbestimmtem Arbeiten.

Das Leben, für das du gründest

Du freust dich auf deine Arbeit und auf das Wochenende

Stell dir vor, es ist Freitagmittag. Du hast ein Kundenprojekt abgeschlossen, die Rechnung ist raus und du bist richtig zufrieden mit deiner Arbeit. Für nächste Woche sind neue Aufträge vereinbart. Jetzt packst du deine Tasche für das Wochenende, auf das du dich schon seit Tagen freust.

Du nimmst deinen Laptop nicht vorsichtshalber mit. Die Absprachen stehen, und die Aufgaben für nächste Woche haben dort ihren Platz. Auf dem Weg unterhaltet ihr euch darüber, wo ihr heute Abend essen gehen wollt. Du freust dich, dass du dir diesen Ausflug leisten kannst und auch Zeit dafür hast.

Genau dafür lohnt es sich, über mehr als den ersten Auftrag nachzudenken. Du möchtest mit deiner Arbeit etwas erreichen, gutes Geld verdienen und schöne Dinge erleben. Dein Business darf zu all dem beitragen.

Dein Shortcut für deinen Start

  • Vorbereitung, Kundengewinnung und Buchhaltung brauchen Zeit. Deine Arbeitswoche lässt sich deshalb nicht vollständig mit Kundenprojekten füllen.
  • Preis und Leistungsumfang müssen den tatsächlichen Aufwand berücksichtigen. Ein voller Kalender allein macht noch kein gutes Einkommen.
  • Du kannst dich über deine ersten Kunden freuen und von Anfang an klare Antwortzeiten vereinbaren.
  • Ein intensiver Start ist etwas anderes als ein Angebot, das dauerhaft nur funktioniert, wenn du jeden Abend weiterarbeitest.
  • Deine Geschäftsidee soll auch dann zu deinem Leben passen, wenn sie gut gebucht wird.